Allein

10. Juni 2011

…erziehende. Vor denen ziehe ich meinen Hut! Diesen Sommer hat es mich erwischt – Konferenzen lassen grüssen und so schleppe ich mich mit den beiden Mäusen von Tag zu Tag. Und ja – ich habe eine Nanny/Haushaltshilfe, aber ich habe auch einen Job als Assi an der Uni und muss für die Vorlesungen unglaublich viel tun (ja, heir kommt mal wieder eine Beschwerde an das Unisystem durch!)

Und natürlich, ausgerechnet diese Tage fängt Little A. mit einem Schub von Eifersucht an. Nicht gut! Garnicht gut… Aber leider auch nichts zu machen. Mal sehen, wie das so weiter geht! Naja, bald kommen fünf Tage Sonne, Sand und Meer. Da wird die Stimmung sicherlich besser, hoffe ich 😉

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Lang ist´s her…

9. Juni 2011

… seit dem letzten Eintrag. Viel ist passiert – Gutes und weniger Gutes. Seit August sind wir also wieder im „alten/neuen“ Land, dem Land meines Mannes. Und dem Land meiner Töchter – denn sowohl Little A. (Mai 2009) also auch Little K. (01/2011) sind hier geboren. Seit August also bin ich an der Uni eingeschrieben und während ich im ersten Semester doch sehr mit der Entscheidung, den PhD zu machen, gehadert habe so bin ich dieses Semester glücklich! Der Kugelbauch des erstens ist mittlerweile ein nicht mehr ganz so kleines süsses Mäuschen, dass in den Lernphasen neben Mami mit unsere Nanny spielt. Und wenngleich es anstrengend war, so lief dieses Semester wirklich toll. Jetzt kommt der Entspurt bei den Vorlesungen bis Dezember und dann geht es an die Qualifier – Vorbereitungen. Und hoffentlich bin ich Mitte nächsten Jahres am fleissigen schreiben.

Wir sind zurückgekehrt… Wegen der Kinderbetreuung. Alles andere war und ist eher ein Nebeneffekt. Traurig – da sollte Deutschland wirklich mal etwas dagegen tun! (Liebe Politiker – gern berate ich Euch, was weibliche High Potential brauchen, damit sie Kinder in die Welt setzen!). Und wenngleich wir zurückgekehrt sind, so ist doch nicht alles im grünen Bereich. Nach vielen Diskussionen (ja, mal wieder oder vielleicht eher immer noch) sind wir jedoch – zumindest vorerst – zu der Erkenntnis gelangt, dass wohl NIE alles im grünen Bereich ist. Und so warten wir jetzt erst einmal ab… und versuchen, die Zeit in der Zwischenzeit zu geniesen! Ich hoffe, dass gelingt uns immer besser.


La ola verde…

20. Mai 2010

Nie, dachte ich, würde ich gern Kolumbianerin sein. Die ganzen Visaprobleme sind abschreckend genug, um nie, nie die deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben. Denn das muss man laut deutschen Gesetzen, um eine andere Nationalität anzunehmen. Leider. Denn heute, ja heute wäre ich gern Kolumbianerin. Zumindest bis zu den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien. Nie habe ich ein so starken Wunsch verspürt, wählen gehen zu dürfen… Warum?

Kolumbien ist ein Land mit vielen, vielen Problemen. Jedoch bietet es eben aufgrund dieser Probleme auch viel Platz für Hoffnungen. Und das ist es, was diese Wahlen derzeit für mich und viele meiner kolumbianischen Freunde ausmachen: Hoffnung auf ein besseres Kolumbien. Der Grund heisst Antanas Mockus. Der Sohn litauischer Einwanderer ist derzeit hoffnungsvoller Kandidat im Rennen um die Präsidentschaft. Und er die Personifizierung dieser Hoffnung für eine bessere Zukunft.

Sein Programm baut auf Prinzipien auf, die in einem Land wie Kolumbien nicht einfach durchzusetzen sind. Und dass diese Prinzipien nicht nur lehre Worte sind, hat er bereits bewiesen: als Bürgermeister von Bogotá. Ich war noch nicht in Kolumbien, als er diese Riesenstadt regierte… aber Erzählungen und Reportagen geben ein sehr beeindruckenden Eindruck dessen, was er in vier Jahren geleistet hat. Und nicht nur das. Was ich bereits jetzt bewundere ist, dass er es geschafft hat, mit zwei weitere ehemalige Bürgermeister von Bogotá (Enrique Peñaloza und Lucho Garzon) sowie einen ehemaligen Bürgermeister (Sergio Fajardo) von Medellín ein schlagkräftiges Team zu formen. Vier starke Männer, mit grossen politischen Ambitionen arbeiten zusammen (und stellen damit wohl auch in gewisser Weise ihre individuellen Ambitionen hintenan) und wollen ein Land verändern. Und dass diese politische Kampagne vor allem auf Bildung baut – dazu brauche ich wohl nichts mehr zu sagen.

Am 30. Mai sind die Wahlen. Wenn keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erringen, dann gehen die ersten beiden Kandidaten in ein Stechen. Ich bin gespannt und hoffe! Hoffe auf ein besseres Kolumbien. Mit Antanas.

Und hier noch seine offizielle Seite, sein offizieller Song, und ein wenig mehr Info.


Erinnerungen…

17. Mai 2010

können gemein sein. Denn sie führen ganz schnell einmal in eine Falle. Denn Erinnerungen haben – zumindest in unserem Fall – eine Eigenschaft an sich, die ich gerade in der letzten Zeit immer deutlicher spüre: sie blenden das Negative aus und bewerten des Positive der Vergangenheit über. Hinzu kommt noch, dass Erinnerungen immer auch an den jeweiligen Kontext gebunden sind – und dieser dem heutigen in den seltensten Fällen entspricht.

Fünf Jahre ist es her, dass ich aus Deutschland „ausgewandert“ bin. Die vorhergehenden Jahre waren wunderbar (naja, zumindest im Grossen und Ganzen): ich habe studiert und genoss das wirklich sorgenfreie Leben der meisten deutschen Studenten. Ich war Teil einer Gruppe, die viele gemeinsame Interessen verband, die viel Zeit hatten und viel zusammen unternahmen. Ich fühlte mich wohl. Sehr wohl sogar. Dann fing ich an zu arbeiten: als Berater. Und wieder war ich Teil einer Gruppe, einer Gruppe junger Menschen (meist single), die Tag und Nacht miteinander verbrachten. Und wieder fühlte ich mich wohl. Als Erinnerungen an diese Zeit blieben die ewig langen Grillabende am Rheinufer, die Parties, die Lernwochenende … Ausgeblendet waren die langen Wintertage voller grauer Regenwolken und so manch andere nicht so erfreuliche Dinge. Ausgeblendet waren sie jedoch nicht nur, weil sie mir nicht gefielten, sondern auch, weil sie nicht so sehr ins Gewicht fielen. Lange Winterabende waren zum Sex and City schauen geeignet, zum plaudern und Wein trinken. Jetzt habe ich ein Kind, welches sich nicht mit vor den Fernseher setzt, sondern etwas erleben will. Und das am liebsten Draussen. Also nehme ich viel stärker wahr, dass Deutschland eher ein graues Winter- denn ein sonniges Sommerland ist. Ich nehme auch wahr, dass in Deutschland kaum Mütter kleiner Kinder arbeiten gehen. Eigentlich hätte ich das wissen müssen, aber meine Wahrnehmung und meine Erinnerung spielten mir hier einen ganz grossen Streich.

Uns so habe ich in den letzten zwei Jahren gelernt: man kann sich nicht auf Erinnerungen verlassen.


Uni, Bildung und Geld

17. Mai 2010

Und wieder einmal gelingt es Herrn Koch, Schlagzeilen zu machen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,694513,00.html. Diesmal hat er sich des Themas Bildung – Sparen angenommen und fordert angesichts klammer öffentlicher Kassen, dass die Bildungsausgaben nicht wie geplant erhöht werden.

Lieber Herr Koch: das ist eine sehr einfache Lösung – zumindest für einen Politiker wie Sie. Denn in Bildung investieren, heisst in eine Zukunft zu investieren und noch dazu in eine, die keine Lobby hat. Und als Politiker muss will man nun einmal nur kurzfristig denken, denn die nächsten Wahlen stehen ja an. Und bei den nächsten Wahlen müssen Ergebnisse her. Die Ergebnisse von Investititionen in Bildung jedoch, die wird man erst viel, viel später sehen und andere Politiker werden davon profitieren. Also am besten das Geld in Steuerkürzungen für Hotels (oder ähnliches) stecken – damit gewinnt man wenigstens die nächsten Wahlen.

Es ist so traurig, diese Diskussion anzuhören. Denn es spricht nichts gegen eine wirkliche Reform des Bildungswesens in Deutschland. Und sicher könnte man da auch Geld sparen, um es an anderer Stelle (im selben Ressort) dann besser einsetzen zu können. Aber darüber wird kaum gesprochen und diese Reform wird es auch kaum geben. Denn, und das ist wohl das grosse Dilemma, so scheint es, Bildung für alle und jeden ist garnicht gewollt. Oder?


2 Jahre

10. Mai 2010

Mein liebes Mäuschen,

zwei Jahre ist es jetzt her, dass wir Dich zum ersten Mal im Arm hielten: unsere Tochter.

Angesichts all dessen, was seither passiert ist, scheint es eine Ewigkeit her zu sein. Du bist in Kolumbien geboren, warst das erste Mal mit zwei Monaten in einem Flieger. Mit ein wenig mehr als zwei Monaten gingst Du in einen mexikanischen Kindergarten, nur um mit vier Monaten dann in einem deutschen Dich einzuleben. In „Deinem“ mexikanischen Kindergarten wurdest Du nach dem deutschen Zwischenspiel von fünf Monaten sofort wieder aufgenommen – in die Krabbelgruppe. Denn eine hast Du schon im Bauch gemacht: Dich ständig bewegt. Immer wieder. Ohne Pause. Und mit viel Kraft. Und so war es auch kaum überraschend, dass Du mit knapp 11 Monaten laufend die Gegend unsicher machtest und Deine Eltern seither nicht mehr aus dem Rennen rauskommen. Springen kannst Du auch bereits seit geraumer Zeit und auf einem Bein stehen ebenso. Nur mit der Sprache – damit lässt Du Dir viel Zeit. Sehr viel Zeit! Das Sprachwirrwarr, welches Dich seit Deiner Geburt umgibt, ist da jedoch sicher nicht hilfreich. Auch zur Zeit, in Deinem vierten Kindergarten im dritten Land, setzt sich das fort: eine deutsche Erzieherin, Deine beste Freundin ist aus den USA, die beiden anderen Mädchen sind aus China und Chile. Und so langsam schwant mir auch, dass es vielleicht der Versuch sein könnte, in Chinesisch uns etwas zu sagen, wenn wir – mal wieder – Deinen Redeschwall nicht, überhaupt nicht verstehen. Aber auch das scheinst Du langsam zu meistern: gestern, zu Deinem zweiten Geburtstag, hast Du zum ersten Mal Deinen Namen gesagt!

Zwei Jahre sind vergangen. Und wir, Deine Eltern, haben soviel dazugelernt. Vor allem jedoch, das Leben zu geniesen. Denn jeder Tag mit Dir, Du kleiner Sonnenschein, ist ein Tag, den wir geniesen sollten – so wie Du das Leben geniest und uns zeigst, dass man froh sein kann: trotz allem und gerade deshalb!

Herzlichen Glückwunsch, mein kleines Mäuschen, mein kleiner Zwerg.


Die Entscheidung…

7. Mai 2010

Lange haben wir uns damit rumgequält. Sehr lange. Wir haben es uns nicht einfach gemacht. Auch oder wohl gerade deshalb, weil wir eine langfristige Entscheidung treffen wollten und mussten. Wir wollen endlich einen Platz, an dem wir uns ganz in Ruhe niederlassen können. Und wir wollen endlich anfangen, uns etwas aufzubauen.

Es wurde eine Entscheidung gegen Deutschland. Gegen ein Deutschland, dass nicht offensichtlich, sondern auf sehr subtile Art und Weise so unglaublich macho ist. Ein Deutschland, in dem ich zwar gross geworden bin (naja, eigentlich stimmt das ja so nun auch wieder nicht), dass mir aber nicht mehr sehr nah am Herzen ist. Ein Land, wo alles seine Ordnung hat und haben muss und wo das Ausbrechen aus Traditionen, Regeln, dem so ist das, so war das schon immer und so soll das auch weiter so sein so unsagbar schwer ist.

Es wurde eine Entscheidung für Kolumbien. Für ein Land, welches viele und sehr grosse Probleme hat. Aber auch ein Land, welches uns viele Möglichkeiten bietet. Für eine Stadt, wo ein soziales Netz uns eine gewisse Sicherheit bietet. Für Menschen, die uns irgendwie freundlicher erscheinen.

Wenngleich das Pendel für oder wider durch Kleinigkeiten hin- und herbewegt wurde, so gab es letztlich genau einen Punkt, der ausschlaggebend war: Kinder und eine Karriere unter einen Hut zu bringen, ist für uns in Deutschland super schwer bis unmöglich. Kolumbien gibt uns diese Chance und die wollen wir nutzen. Und so freue ich mich, in weniger als zwei Monaten wieder Student zu werden. Und diesmal, das haben wir uns versprochen, höre ich nur dann auf, wenn ich aus welchen Gründen auch immer den langgehegten Wunsch nach dem Dr. vor meinem Namen aufgebe.